Beglückt schon alleine, weil es weder so ein dicker Brocken ist, noch so ein "Heftchen" – wo man genau weiß - das man mit "3,99 Euro" schlicht beschissen ist (Ihr wisst schon was ich meine).
Aber ist ja auch Campus und nicht Ullstein (und damit heute Springer) … -g-.
Das Vorwort, hier Einleitung genannt und mit "Gebt die Fackel weiter" überschrieben, ist von der Form wie auch von Inhalt her, ein Leckerbissen. Der erste Satz: "Dies ist kein Manifest", lässt grinsen.
Mich zumindest.
Die Begründung, (Seite 7) Manifeste seien durch die sozialen Bewegungen inzwischen überflüssig geworden, kann man wohl kritisch sehen, denn wer da versteht, es ginge auch ohne Vision, der hat die Bewegung nicht verstanden. Besser, die "Bewegten" nicht verstanden.
Dann ein Überblick über die Proteste der vergangenen Jahre. Klar, das gab es im vergangenen Jahr viel. Aber hier wird zum das "gemeinsame" von Nordafrika, Spanien und Wall Street benannt, wie auch die Unterschiede. Wer hat nicht schlaue Redner gehört, ober-schlaue Schreiber gelesen, die Tunis und Madrid auf eine Weise verquirlten, dass man wusste, ne – SO ist es nun auch wieder nicht.
Die, bei uns in Deutschland vorwiegend als reine Randale wahrgenommenen Proteste in England (August 2011) mit ihren Plünderungen und Körperverletzungen, werden als Reaktion auf den Tod eines schwarzen Engländers, durch die Polizei von London, gedeutet. Ein Umstand der hier selten wahrgenommen wird.
Und ein wenig merkt man, in dieser Einleitung auch noch, das durch das "kritische" ein wenig Unbehagen durchscheint, wenn "bewegte Massen" nur zu gerne Parolen rufen der Konsequenzen sie als Problem noch nicht mal erkannt haben.
Und immer wieder Sätze, die man sich gut auf Transparenten vorstellen könnte "Wir überleben durch Kredite und leiden unter der Last der Rate" (S.16). Oder (S.17) "Mythos freier Handel" – da muss man keine langen Abhandlungen über Abhängigkeiten und Ausbeutung ertragen, das bringt es in drei Worten auf den Punkt.
Auf der gleichen Seite, nahezu lyrisch
"Wir haben
unser Leben
an den Feind verkauft"
Vieles wird nur angedeutet, der Spruch von Marx, Bauern könnten nicht als "Klasse" handeln und auch kein Klassenbewusstsein bilden, weil sie zu zerstreut lebten, und die Kommunikation zu aufwendig wäre, wird erweitert um die Fragen der physischen Nähe als Bedingung der politischen Leidenschaft.
Auf Seite 33 lesen wir, fast unvorbereitet, die dominanten Medien würden "neue Formen der Demokratie verhindern" und müssen konstatieren, damit ein kühles aber völlig vernichtendes Urteil über unsere, sich selbst so gerne rühmende, "freie Presse", gelesen zu haben.
Sehr schön auch, die Strukturierung in "Die Verschuldeten", "Die Vernetzten", "Die Verwalteten". "Die Vertretenen".
Da wird die Verbindung zwischen "ausgebeutet" und "verschuldet" gezeigt, bzw. die Wandlung die sich vollzieht, wenn der Klassenkampf von den Fabriken, vors Werkstor und direkt auf die Straße wandert.
Es sind immer wieder schöne kurze prägnante Sätze, keine sich selbst überholenden, nach Seminar riechenden "deutschen" Sätze.
Es bleibt bis zur Mitte des Buches die Frage, wo wollen die Autoren, nach der ebenso kritischen wie geschliffenen Analyse hin – dazu im zweiten Teil der Besprechung.
Da geht es dann um Ideen zu einer neuen Verfassung, wie um Fragen von Staat und Gewaltenteilung.
Sehr spannend, vielleicht einen neuen Horizont aufzeigend -
aber auch, nicht nur in Kreisen der "Protestler", sehr diskussionswürdig.
Bis dahin.
Man liest es immer wieder, besondern im Zusammenhang mit neuen sozialen oder politischen Bewegungen, manchmal benutzt man es selbst – und meist wendet man sich innerlich ab.
Egal ob es eine der Splitterdateien ist, ob es eine Wahlinitiative ist, eine neue politische Partei – wenn die sich nicht direkt auf Rosa Luxenburg oder Karl Marx beziehen – liest man sehr schnell, die Gruppierung gelte als "rechtsoffen".
Unabhängig ob das, was da gemeint ist, stimmt – was bedeutet das eigentlich?
- Sind wir hier bei Facebook vs. Domian, oder Proben wir den "Sturm im Wasserglas"?
Leider - und ich bedaure das sehr, wurden hier in diesem kleinen – eher unscheinbaren -blog- eine grosse Anzahl von Artikel ohne Absprache gelöscht. Gleichzeitig wurden auch alle von Lesern dazu geschriebenen Kommentare, gleich mit gelöscht.
Ein Autor aus Düsseldorf, der hier in edj-nrw-Blog alle Redaktions- und Adminrechte hatte, der mit sicherlich kritischer – aber oft auch eher emotionaler Schreibe - sein Spezialgebiet "-Piraten- in Düsseldorf" bearbeitete, fühlte sich durch einen Kommentar von mir persönlich beleidigt.
Ich hatte, als Verfasser "admin", einen – wie ich hoffte - "vermittelnden" Text eingestellt, in dem ich vorgeschlagen hatte die Sache um die es bei einem bestimmten Artikel ging, die auch von mehreren Seiten beleuchtet schien, auf sich beruhen zu lassen.
Kind der -edj-/occupy-Bewegung-, die zwischen dem Erscheinen von Hessels "Empört Euch!" und dem Niedergang der -occupy-camps- viele im Bemühen um konstruktive Ziele hinter sich wusste. Bei aller nötigen und wichtigen Kritik war diese Gruppe nie dafuer gedacht alte Feindbilder zu zementieren, noch neue (hier die "Piraten") auf zu bauen.
Diese meine Meinung zum Umgang mit Menschen über die man berichtet, wurde vom Autor als persönliche Kritik empfunden. Kritik die man nicht akzeptieren wollte.
Eine Kritik die mit dem löschen vieler, vorwiegend eigener, Artikel "bestraft" wurde.
Es gab immer viele Deutungen dieses alten Märchenstoffs. Seien es Anklänge an die Nibelungensage (Brünhild), sei es der periodische Schlaf der Natur im Winter, Bettelheims Vergleiche mit der Adoleszensphase junger Menschen oder ein allgemeiner Fluch der Natur der die Übervorsichtgen wie die Taktlosen; die Tüchtigen wie die politischen Berater gleichermaßen trifft.
Die Geschichte fängt an mit falscher Sparsamkeit. Ein Gedeck mehr und es hätte nie ein Märchen gegeben. Allerdings auch kein „Erwachen“ und kein spätes Liebesglück.
Sucht man nach Beispielen falschen Sparens in den letzten Jahrzehnten, so ist das Problem nicht ein Mangel an vergleichbarem Begebenheiten, sondern ein Überangebot von voreiligen Sparwahnattentaten auf die Bevölkerung.
Schon Adenauer hat es an der Unterstützung für Familien mangeln lassen, letztlich im Vertrauen auf die, damals noch von keiner Pille gebremsten, Folgen menschlicher Triebhaftigkeit. Ein Beispiel dem gerade bürgerliche Parteien lange folgten, um heute Geburtenrückgang und fehlende Rentenfinanzierung zu beklagen.
Die Agenda 2010 hat wenig beim „fordern“ gespart, um so mehr beim "fördern". Die Väter der Agenda haben sich leider sogar das „genaue Hinschauen“ erspart. Auch hier war man nahezu "deutsch" traditionsbewusst und sparte am „Blick zurück“. Wenn es Rückschau verantwortlicher Politiker gab, dann fiel sie leider zu selbstgerecht aus.
Natürlich haben die Schöpfer von "Hartz IV" alles richtig gemacht, nicht die Politik war mängelbehaftet sondern die „Ausgesonderten“ sind an ihrer Situation schuld. Arbeitslosigkeit hängt nur mit mangelnder Ausbildung zusammen, selbstverstaendlich nicht mit einem Mangel an Arbeitsplätzen auf Grund von Umstrukturierung und Globalisierung.
Viktoria:
Die Gewalttätigkeit des Staates wurde schon von vielen revolutionären Bewegungen ganz gezielt eingesetzt, um zu mobilisieren. Das klingt erst mal etwas seltsam, ist aber im Grunde völlig logisch. Mal am Beispiel der 15M-Bewegung in Spanien, es gibt aber noch zahlreiche andere Beispiele:
Die 15M-Bewegung geht hervor aus Gruppen aus der autonomen Szene, die frühzeitig erkannten, was aufgrund der Spardiktate in ihrem Land passieren würde und sich zusammensetzten, um zu überlegen, wie sie den Widerstand in ihrem Land wieder stärken konnten. Sie bemerkten, dass die autonome Szene selbst immer kleiner geworden war, was verschiedene Gründe hatte, aber sicher auch auf den "Krawall-Demonstranten" zurückzuführen ist. Daraufhin entschlossen sie sich etwas neues zu kreieren. 15M war im Grunde kein Label, sondern, ähnlich wie #iRUN, etwas, auf das sich alle bereits etablierten Protestgruppen einlassen konnten, ebenso wie Einzelpersonen. Das merkt man auch an ihrem Manifest, welches am Anfang sehr einfach gehalten wurde. So konnte sich keine Gruppe abgrenzen. Außerdem verzichteten sie auf die üblichen Unterstützer-Listen und appellierten an die Menschen, ohne ihr Label auf der Demo aufzutauchen. Dass sie sich dazu entschieden, kollektiv immer wieder auf ihre Friedlichkeit zu pochen, hatte erstens den Grund, eben auch Menschen auf die Demos zu bekommen, die sich bisher noch nicht politisch engagierten, aber vor allem ging es ihnen darum, den Menschen vorzuführen, dass der Staat der Aggressor bei gewalttätigen Demonstrationen ist. Sie hatten ein Team, welches durch ganz Spanien reiste, um den Aktivisten das Livestreaming beizubringen und ihnen zu erklären wie wichtig es ist. Denn Videos und Fotos sind Momentaufnahmen und können nachträglich bearbeitet worden sein. Ein Livestream allerdings gibt 1 zu 1 die Situation wieder, die sich in diesem Moment abspielt.
Wir haben ca. 50 Millionen Bürger mit Internetzugang.
Wir haben unzählige politische Blogs, mehrere Print-Medien von internationalem Rang, die meisten ebenfalls mit Blogs – einige mit eigener Online-Redaktion.
Streift man durch die Blogs, durch die politischen Gruppen von Facebook, durch die Leserkommentare von SPON, FAZ, Welt, taz und anderen –
wird einem klar, es sind deutschlandweit einige Hunderte – bestenfalls wenige Tausende -
die wirklich die Möglichkeit sich Online bemerkbar zu machen ausnutzen.
Meist bekommen die Artikel weniger als hundert Kommentare, nur die bekannten “Aufreger” schaffen es in den dreistelligen Bereich. Das aber meist auch nur, weil einzelne Schreiber alte Feindschaften in immer wieder neuen Themen austragen.
Schaut man einige Wochen regelmäßig in die Foren und Blog, kennt man die Stammbesatzung, ja, man erkennt meist sogar die üblichen Fake- und Troll-Profile
Warum ist das so? Nie war es so einfach – und auch so effektiv seine Meinung einer grösseren Gruppe von Lesern bekannt zu machen.
Aber es wird, gemessen an den fünfig Millionen Bürgern die “Zugang” haben, nur im Promillebereich genutzt.
Haben wir ein falsches Bild vom “mündigen Bürger” oder gibt es einen politischen Fatalismus, der im Machtsystem begründet liegt.
In diesem Jahr werden Bundestagswahlen stattfinden, von den drei Landtagswahlen mal ganz abgesehen. Schon jetzt ist in den Parteien Wahlkampf angesagt.
“Eigentlich” eine spannende Situation.
Was aber passiert “Online”?
Mein Eindruck ist … nix!